Finnische Zimtschnecken und Hamburger Franzbrötchen

Pia Kokkonen aus Finnland absolviert Praktikum an der G3

 

Im Oktober 2018 hatte die Berufsschule Besuch von Pia Kokkonen aus der südfinnischen Stadt Järvenpää. Als Auszubildende im Bäckerhandwerk absolvierte sie ein vierwöchiges Praktikum an der G3 und bei der Bäckerei-Konditorei Heinrich Wulf. Das Praktikum konnte sie mit einem Stipendium von Erasmus realisieren. Weitere Unterstützung bekam sie von einem finnischen Ausbildungsfond, der u. a. Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen fördert.

Während ihres Aufenthalts lernte Pia sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen der deutschen und der finnischen Berufsausbildung kennen. Von dem Erfahrungsaustausch profitierten beide Seiten.

Pia Kokkonen (Finnland)

Turbo-Ausbildung in eineinhalb Jahren

Die vierzigjährige Pia Kokkonen hatte bereits langjährige Berufserfahrung im Verkauf gesammelt, bevor sie sich entschloss, noch einmal ganz von vorn anzufangen und einen handwerklichen Beruf zu lernen. So begann sie im September 2017 eine Ausbildung zur Bäckerin. Regulär dauert die Ausbildung zwei Jahre, doch wie für unsere Turboschüler, die das Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung mitbringen, kann auch in Finnland die Dauer auf 1,5 Jahre verkürzt werden.

 

Inhalte der Ausbildung in Finnland

Anders als in Deutschland, wo man seine Lehre in einem Betrieb absolviert, umfasst die Ausbildung in Finnland fünf Stationen:

  • Backen, zum Beispiel in einer Bäckerei oder in einem Industriebetrieb
  • Nahrungsmittelherstellung
  • Arbeit in der Lebensmittelindustrie
  • handwerkliche Herstellung von speziellen Backerzeugnissen sowie das Erlernen von besonderen Techniken wie zum Beispiel Dekortechniken
  • Verpacken

 

Ausbildung und Abschlussprüfung

Der größte Teil der Ausbildung findet in verschiedenen Bäckereien statt, zudem besuchen die Azubis wie in Deutschland die Berufsschule. Bei jungen Azubis überwiegt die Theorie, bei älteren die Praxis in der Backstube. Die Abschlussprüfung absolvieren sie in einem Betrieb, die Prüfung wird vom Ausbildungsleiter der Bäckerei und von der Berufsschule abgenommen. Die Produkte, die die angehenden Bäckerinnen und Bäcker in der Prüfung herstellen, variieren, weil die Ausbildungsbetriebe unterschiedliche Produkte herstellen. Pias Betrieb zum Beispiel produziert Brot und Brötchen, feine Backwaren aus Hefe- und Plunderteig und natürlich Zimtschnecken, die in ganz Skandinavien so beliebt sind wie in Hamburg die Franzbrötchen. Im Unterschied zu dem hanseatischen Plundergebäck bestehen Zimtschnecken aus Hefefeinteig, die Gemeinsamkeit liegt in dem charakteristischen Zimtaroma.

 

„Eine tolle Zeit in Hamburg“

Neben Franzbrötchen hat Pia in Hamburg auch die Herstellung von Baguettebrötchen und diversen anderen Backwaren gelernt, die sie bisher nicht kannte und gern in das Sortiment ihres Ausbildungsbetrieb in Järvenpää aufnehmen möchte. „Außerdem arbeite ich immer schneller“, erklärt sie. „Und mein Deutsch habe ich auch ein bisschen verbessert.“ Das Fazit ihres Praktikums fällt durchweg positiv aus: „Hamburg ist eine tolle Stadt, ich habe mich hier rundum wohl gefühlt und viel gelernt. Der Aufenthalt hat sich sehr gelohnt und ich bedanke mich bei allen, die sich Zeit genommen und mir alles gezeigt haben.“

In der Backstube